Veranstaltungsarchiv

Donnerstag, 16. Mai 2019, 19.00 Uhr

Prof. Dr. Ulrich Riller, Hamburg

Auswirkungen großer Meteoriteneinschläge

Große Meteoriten-Einschlagskrater auf den terrestrischen Planeten unseres Sonnensystems zeigen topographische Ringgebirge innerhalb des Kraterrandes. Das von einem Meteoriten getroffene Gestein muss dazu zunächst fließfähig werden, um sich über weite Distanzenschnell bewegen zu können, und anschließend an Festigkeit gewinnen, um die während der Kraterbildung entstandenen Ringgebirge zu erhalten. Dies bedeutet eine extreme Änderung des mechanischen Verhaltens innerhalb von Minuten. Untersuchungen des Bohrkerns des Chicxulub-Kraters in Mexiko und Simulationsrechnungen ermöglichen es, den zeitlichen Ablauf des vor rund 66 Millionen Jahren erfolgten Einschlags mitsamt seinen morphologischen Auswirkungen zu rekonstruieren. Zudem konnten erstmals Hinweise für den Prozess der akustischen Fluidisierung gefunden werden, einen seit längerem diskutierten Mechanismus, durch den Gesteine kurzfristig fließfähig werden. Zusätzlich zu diesen Erkenntnissen über die Bildung großer Einschlagskrater wird am Beispiel des Sudbury-Kraters in Kanada die Bedeutung langzeitlicher Kratermodifikation für die Bildung gigantischer Metalllagerstätten angesprochen.

 

Donnerstag, 25. April 2019, 19.00 Uhr

Dr. Lydia Möcklinghoff, Bonn

Das brasilianische Pantanal und einer seiner seltsamsten Bewohner, der Große Ameisenbär

Das Pantanal ist ein riesiges Feuchtgebiet im Inneren von  Brasilien und mehr als halb so groß wie die Bundesrepublik. Allein die Artenfülle an  Vögeln und Säugetieren ist atem-beraubend – kein Wunder also, dass das Pantanal zu den Welterbestätten gehört – und heute gleichwohl einer Mehrzahl  von  Bedrohungen ausgesetzt ist.

Große Ameisenbären und ihre Verwandten, die Gürtel- und Faultiere, sind typische Bewohner Südamerikas, und der Große Ameisenbär, hochspezialisiert auf den Verzehr von vornehmlich Ameisen, ist einer der interessantesten  Vertreter.

Die Referentin ist seit langem mit dem Pantanal und ihrem Forschungsobjekt „Großer Ameisenbär“ vertraut und wird uns an ihren Reiserlebnissen teilnehmen lassen und Spannendes über „ihren“ Ameisenbär und seine Biologie berichten.

 

Donnerstag, 28. März 2019, 19.00 Uhr

Dr. Christof Ellger, GeoUnion und Alfred-Wegener-Stiftung Potsdam

Geotourismus    Reiseerlebnisse im Spannungsfeld zwischen Bildungsauftrag, Geotopschutz und Regionalentwicklung

Tourismus mit einem besonderen Fokus auf geowissenschaftlich bedeutende Ziele ist so neu nicht. Seit Menschen zu Sehenswürdigkeiten reisen, gehören geologische, paläontologische, geomorphologische etc. Phänomene zu den bevorzugt aufgesuchten Attraktionen: Findlinge, Felsformationen, Höhlen, Schluchten, Küsten, Quellen, Gletscher und viele andere Elemente der unbelebten Natur, wie etwa auch die vielfältigen vulkanischen Erscheinungen.  

Heute verstärken vor allem besonders ausgewiesene (nationale) Geotope, geologische Lehrpfade, geotouristische Straßen und insbesondere die seit Ende der 1990er Jahre weltweit errichteten Geoparks die Bemühungen um den Geotourismus.

Mit dem Geotourismus der Gegenwart sind eine Reihe von Merkmalen verknüpft, die diesen zu einer ganz besonderen Art von Freizeitmobilität und Daseinsäußerung machen. Unterschiedliche Akteure und gesellschaftliche Kräfte verbinden ganz unterschiedliche Intentionen mit diesem Bereich: Für die Geowissenschaften ist der Geotourismus ein Instrument, um ihre Themen, Fragestellungen und wissenschaftlichen Leistungen in die Bevölkerung zu tragen, die ansonsten (und schon in der Schule) wenig über Geologie und ihre Nachbardisziplinen erfährt; bei ihren Freizeitbeschäftigungen (bei Bewegung und Besichtigung, beim Staunen über die Schönheit der Landschaft) sollen die Menschen die Geowissenschaften kennen und schätzen lernen. Für die oft ländlich geprägten und peripher gelegenen Regionen mit geotouristischem Potenzial geht es vor allem darum, mit zielgerichteten Einrichtungen und Angeboten regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu schaffen. Demgegenüber steht der Anspruch des Geotopschutzes und der ‚Geo-Conservation‘ auf Schutz und Bewahrung des geologischen Erbes. Dieser muss zuweilen gegen die Interessen der Besucher und der Tourismusmanager durchgesetzt werden. 

Wenn aber der Kompromiss zwischen Bewahrung einerseits und Entwicklung und Nutzung andererseits gelingt, kann Geotourismus heute und in Zukunft durchaus sowohl den geowissenschaftlichen Bildungsauftrag als auch die Wirtschaftsförderung der Zielregionen voranbringen. 

 

Donnerstag, 28. Februar 2019, 19.00 Uhr

Dr. Veit Hennig, Hamburg

Der Zusammenbruch der Bestände des Elbstints und die Folgen für die Vogelwelt

Nach der Wende galt ab dem 1. Juli 1990 auch für die Gewässer der ehemaligen DDR die in der Bundesrepublik geltende Rechtsregelung zum Gewässerschutz. Die über die Saale aus der Region Bitterfeld in die Elbe geleiteten Schadstoffe gingen deutlich zurück. Kläranlagenbau reduzierte die Fracht an Nitraten und Phosphaten stark. Und die Elbe reagierte: Die Fischbestände und die der Fischfresser, seien es Vögel, Schweinswale oder Fische wie der Zander, konnten sich wieder erholen! Der Elbstint konnte erfolgreich vermarktet werden und wurde zum Kultfisch in den Restaurants entlang der Elbe. Nach der achten Elbvertiefung (1998/99) nahmen jedoch Sauerstofflöcher zu, das Tidal Pumping brachte immer größere Mengen feinen Sediments in die Hafenbecken. Das ständige Baggern und Spülen erhöhte die Trübung des Elbwassers beständig, es erreichte 2017 ein Maximum. Seit einem Kipppunkt 2013/14 brechen die Stintbestände, sowohl bei den