Details

Beginn:
29. Oktober 2026,
19:00 Uhr
Ort:
Kosswigsaal des Instituts für Zoologie, Martin-Luther-King-Platz 3, 20146 Hamburg
Vortragender:
Dr. Daniela Winkler, Universität Bonn
Kategorie:
Allgemeine Veranstaltungen

Zusammenfassung

4. Vortrag aus unserer Reihe: Moderne Dinosaurier-Forschung

Moderne paläontologische Methoden, die auch aus der rezent-biologischen Forschung und dem Vergleich mit lebenden Tieren (Aktualitätsprinzip) entwickelt wurden, haben uns in den letzten Jahrzehnten erstaunliche Erkenntnisse über die Dinosaurier und ihre Umwelt gebracht. Beispielsweise lässt sich durch Isotopen- und Knochenstrukturanalysen der Stoffwechsel und Körpertemperatur rekonstruieren. Biomechanische Analysen helfen Muskelproportionen und Laufgeschwindigkeiten zu berechnen. Hochauflösende mikroskopische Methoden und chemische Analyse von fossil erhaltenen Farbpigment-Strukturen (Melanosomen) in Federn geben Einblicke in die Färbung des Gefieders mancher Dinosaurier. Ernährungsgewohnheiten der Dinosaurier hingegen standen lange Zeit nicht im Fokus. Schließlich scheint es ziemlich offensichtlich, wer Fleisch- und wer Pflanzenfresser war – die Morphologie der Zähne ist hier eindeutiger Beweis. Und doch können uns die Zähne deutlich mehr über die Nahrungs- und Lebensgewohnheiten lebender und ausgestorbener Tiere verraten. In diesem Vortrag zeige ich, welche überraschenden Erkenntnisse Forschende durch die Analyse von Zahnabnutzungsspuren im Mikrometerbereich gewinnen können. Diese Methode wird als Dental Microwear Texture Analysis (DMTA) bezeichnet. Solche Abnutzungsanalysen wurden ursprünglich für rezente Säugetiere entwickelt, auf Reptilien übertragen, und durch kontrollierte Fütterungsversuche validiert. In einer internationalen Kooperation zwischen dem LIB Hamburg, der Universität Mainz, und der Universität Tokio wurde diese Methodik zum ersten Mal auf Theropoden wie Tyrannosaurus rex übertragen. Neue Studien liefern seitdem Hinweise darauf, wie Dinosaurier sich einer verändernden Umwelt anpassten (Co-Evolution), ob verschiedene Arten dieselben Ressourcen nutzten, sich diese teilten oder in Konkurrenz standen (Nischenpartitionierung), ob sie weite Wanderungen unternahmen (Migration) und wie sich ihre Ernährungsweise im Laufe ihres Lebens veränderte (ontogenetische Nahrungswechsel).